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<journal-title>VERBUM et Ecclesia</journal-title>
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<issn pub-type="ppub">1609-9982</issn>
<issn pub-type="epub">2074-7705</issn>
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<publisher-name>AOSIS</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="publisher-id">VE-37-1618</article-id>
<article-id pub-id-type="doi">10.4102/ve.v37i1.1618</article-id>
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<subject>Original Research</subject>
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<article-title>Heterosexuell erotisierte Beziehungsgeflechte in der Mission</article-title>
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<surname>Kessler</surname>
<given-names>Martina</given-names>
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<aff id="AF0001"><label>1</label>Research Institute for Theology and Religion, University of South Africa, South Africa</aff>
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<corresp id="cor1"><bold>Corresponding author:</bold> Martina Kessler, <email xlink:href="martina.kessler@t-online.de">martina.kessler@t-online.de</email></corresp>
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<pub-date pub-type="epub"><day>30</day><month>11</month><year>2016</year></pub-date>
<pub-date pub-type="collection"><year>2016</year></pub-date>
<volume>37</volume>
<issue>1</issue>
<elocation-id>1618</elocation-id>
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<date date-type="received"><day>14</day><month>04</month><year>2016</year></date>
<date date-type="accepted"><day>14</day><month>09</month><year>2016</year></date>
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<copyright-statement>&#x00A9; 2016. The Authors</copyright-statement>
<copyright-year>2016</copyright-year>
<license license-type="open-access" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">
<license-p>AOSIS. This work is licensed under the Creative Commons Attribution License.</license-p>
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<abstract>
<p><bold>Heterosexual eroticising situations and relationships in the context of missions</bold>. This article contains some of the results of empirical research done on heterosexual eroticising relationships in which missionary women engage. This research was done for a DTh thesis submitted at the University of South Africa in 2014. Eroticising always precedes actions and influences the later relationships of male and female missionaries who are still alive and working. In an initial study it was found that many missionary organisations had addressed and listed sexuality as a theme. However, the eroticising of heterosexual relationships has up till now not been systematically researched and reflected upon. During interviews with missionary women, it was found that they not only had been involved in erotic relationships beforehand, but that they also experienced eroticising in the mission field, establishing eroticising as part of the internal system of missionary work.</p>
<p><bold>Intradisciplinary and/or interdisciplinary implications</bold>: Consequently, a Missiology of being authentically human was developed for this study in which eroticising was addressed. With this, it should be possible to deal theologically and practically with eroticising, temptation and sexual needs.</p>
</abstract>
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<sec id="s0001">
<title>Einleitung<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0001">1</xref></sup></title>
<p>Die bei Frauen &#x2013; egal ob alleinstehend oder verheiratet &#x2013; festzustellende Unsicherheit in Bezug auf das eigene Leben und die (Vor-)Urteile gegen&#x00FC;ber dem jeweils anderen Familienstand weckten mein Interesse dies zu erforschen. Au&#x00DF;erdem beobachtete ich, dass der Umgang der Frauen miteinander h&#x00E4;ufig durch M&#x00E4;nner &#x2013; egal ob anwesend oder nicht &#x2013; gepr&#x00E4;gt ist. Daher sollte die Dynamik unter Frauen durch heterosexuelle Erotisierung untersucht, differenziert erfasst und systematisiert und strukturiert abgebildet werden.</p>
<p>Dazu wurde die Dynamik unerw&#x00FC;nschter heterosexuell erotisierter (subtiler und offensichtlicher) Beziehungsgeflechte der Mitarbeiter/-innen von deutschen, evangelikalen Missionen in einer qualitativ empirischen Forschung durch passiv-narrative Interviews<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0002">2</xref></sup> untersucht. Die Vermutung war, dass das Beziehungsgeflecht im Miteinander von Singles,<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0003">3</xref></sup> Ehefrauen und Ehem&#x00E4;nnern<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0004">4</xref></sup> in der Mission eher durch erotische Einfl&#x00FC;sse belastet ist als es &#x00FC;blicherweise wahrgenommen wird. Durch die Ver&#x00E4;nderung der Lebenssituation,<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0005">5</xref></sup> wie sie bei Missionar/-innen &#x00FC;blich sind, treten Beziehungskonflikte fr&#x00FC;her und deutlicher auf. Gleichzeitig wird der Zugang zu dieser Dynamik von den aus der Bibel abgeleiteten Erwartungen mit einem verst&#x00E4;rkten Anspruch an sich selbst und an andere erschwert. Wenn dann zum Beispiel Konflikte eher unterschwellig bleiben oder auf andere Ebenen verlagert werden,<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0006">6</xref></sup> wird es immer problematischer im Miteinander. Das Sich-hingezogen-f&#x00FC;hlen zum anderen Geschlecht kann dadurch so stark werden, dass es sogar zu au&#x00DF;erehelichen sexuellen Aktivit&#x00E4;ten kommen kann, obwohl die Missionar/-innen vor und au&#x00DF;erhalb der Ehe sexuell enthaltsam und in ihrer Ehe treu leben wollen.</p>
</sec>
<sec id="s0002">
<title>Begriffskl&#x00E4;rung</title>
<p>Im Folgenden werden die Begriffe <italic>erotisiert</italic> und <italic>Beziehungsgeflecht</italic> definiert, damit deren Anwendung in diesem Artikel unmissverst&#x00E4;ndlich geschehen kann.</p>
<sec id="s20003">
<title>Erotik &#x2013; erotisch &#x2013; erotisiert</title>
<p>Das Wort &#x201A;erotisiert&#x2018; muss vom Stammwort <italic>eros</italic>, dem Substantiv <italic>Erotik</italic> und das Adjektiv <italic>erotisch</italic> her verstanden werden.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0007">7</xref></sup> <italic>Eros</italic> (altgriechisch, &#x0060;&#x007A;ur Liebe geh&#x00F6;rig&#x00B4;, &#x0060;&#x0064;ie Liebe betreffend&#x00B4;), eine emotiv-motivationale Kraft, wird seit Platon bis heute &#x201A;mit dem Muthaften in Verbindung gebracht und rangiert als Mittler zwischen der triebhaften Begierde und dem Geistigen&#x2018; (Sch&#x00F6;pf <xref ref-type="bibr" rid="CIT0032">2006</xref>:822) die gleichzeitig in g&#x00F6;ttlicher Begeisterung den Aufstieg befl&#x00FC;gelt und als Verblendung oder gar Wahn wirkt, der herabziehen kann. F&#x00FC;r die Griechen und die antike Welt war Eros &#x201A;Liebe als Wunsch, Sehnsucht oder Appetit&#x2018;, welche hervorgerufen wurden durch &#x201A;die attraktiven Eigenschaften des Objekts des Wunsches &#x2013; sei es nun Ehre, Anerkennung, Wahrheit, Gerechtigkeit, Sch&#x00F6;nheit, Liebe oder Gott&#x2018; (Guinness <xref ref-type="bibr" rid="CIT0011">2000</xref>:22). Sehnsucht und Liebe werden auf ein Objekt gerichtet, &#x201A;durch dessen Besitz man erwartet, gl&#x00FC;cklich gemacht zu werden&#x2018; (S. 22). Eros kann die Leidenschaft f&#x00FC;r Belebtes oder Unbelebtes ausdr&#x00FC;cken, wird von Sch&#x00F6;nheit inspiriert und kann pl&#x00F6;tzlich, mit unwiderstehlich zuschlagender Gewalt hereinbrechen. Das Substantiv <italic>Erotik</italic> beschreibt den geistig-seelischen Bereich der Liebe. Sie wird mehr atmosph&#x00E4;risch wahrgenommen und ist nicht blo&#x00DF;e Sexualit&#x00E4;t (Duden <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">1989</xref>:420). Zu ihr geh&#x00F6;ren auch die Liebeskunst mit vergeistigtem Liebes- und Geschlechtsleben, sowie die Sinnlichkeit und die Liebeslehre (Wahrig <xref ref-type="bibr" rid="CIT0039">1986</xref>:432). Mit dem Adjektiv <italic>erotisch</italic><sup><xref ref-type="fn" rid="FN0008">8</xref></sup> wird umschrieben, was die Liebe in ihrer &#x00E4;sthetisch-sinnlichen Anziehungskraft in Beziehungen, Erlebnissen oder auch Konflikten ausmacht (Duden <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">1989</xref>:420). <italic>Erotisches</italic> betrifft und beinhaltet Erotik, nimmt auf sie Bezug beziehungsweise beruht auf ihr. Das Geschlechts- und Liebesleben wird durch <italic>Erotisches</italic> betont oder angereizt (Wahrig <xref ref-type="bibr" rid="CIT0039">1986</xref>:432).</p>
<p>Die Adjektiven &#x201A;erotisch&#x2018; und &#x201A;erotisiert&#x2018; sind zu unterscheiden. <italic>Erotisch</italic> beschreibt eine Eigenschaft. <italic>Erotisiert</italic> ist, was aktiv <italic>erotisch</italic> gemacht wurde. Es bedarf also vorher einer Handlung. <italic>Erotisiert</italic> wurde etwas oder jemand, wenn durch (&#x00E4;sthetische) Reize sinnliches Verlangen geweckt wurde. Das kann durch Filme, Gegenst&#x00E4;nde oder Musik genauso geschehen wie durch Menschen. Manchmal werden dabei allt&#x00E4;gliche Dinge, Lebensbereiche oder Beziehungen auf das Gebiet der <italic>Erotik</italic> verlagert und mit <italic>erotischen</italic> Inhalten gef&#x00FC;llt. <italic>Erotisiertes</italic> kann <italic>Erotik</italic> wiederum hervorrufen (Wahrig <xref ref-type="bibr" rid="CIT0039">1986</xref>:432; Duden <xref ref-type="bibr" rid="CIT0007">1989</xref>:420; M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0024">1997</xref>:224; Hunold <xref ref-type="bibr" rid="CIT0013">2006</xref>:822&#x2013;823).</p>
<p>Erotisierung geschieht zum einen, wenn Menschen unterschiedlicher Geschlechtszugeh&#x00F6;rigkeit Gef&#x00FC;hle f&#x00FC;reinander entwickeln. Aber Erotisierung kann auch in Form einer &#x00DC;bertragung stattfinden, wenn sie von einem eifers&#x00FC;chtigen Ehepartner oder einem kontrollierenden Umfeld ausgeht. In diesem Fall muss &#x00FC;berpr&#x00FC;ft werden, ob die Beziehung tats&#x00E4;chlich erotisch ist, oder ob sie ausschlie&#x00DF;lich von au&#x00DF;en erotisiert wird. Eifersucht alleine ist noch kein Indiz f&#x00FC;r eine tats&#x00E4;chliche Erotisierung der Beziehung.</p>
<p>Im Alten Testament werden die Bilder des Erotischen auch zur Vermittlung der &#x201A;leiblichen-zuwendenden Grundgestalt des Gott-Mensch-Verh&#x00E4;ltnisses&#x2018; (Hunold <xref ref-type="bibr" rid="CIT0013">2006</xref>:824) (im Hohelied, Hosea) verwandt. Aber es wird auch die Beziehungsintensit&#x00E4;t und Dynamik der Erotik zwischen Frau und Mann formuliert. Barth (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0002">1969</xref>:144&#x2013;151), Piper (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0026">1954</xref>:41&#x2013;76), Zimmerli ([1943] <xref ref-type="bibr" rid="CIT0041">1967</xref>:145&#x2013;206) und van Oorschot (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0036">2000</xref>:29-31) betonen die Einheit von Geist und K&#x00F6;rper, die Frauen und M&#x00E4;nner durch die Erotik zueinander hinf&#x00FC;hrt, wobei sie unterschiedliche Begr&#x00FC;ndungen daf&#x00FC;r auff&#x00FC;hren.</p>
<p>Menschen erkennen ihre Geschlechtlichkeit auch im Anderssein. Sie kommen in den bekannten Z&#x00FC;gen des Partners in Kontakt mit ihren eigenen unbekannten M&#x00F6;glichkeiten (Schellenbaum <xref ref-type="bibr" rid="CIT0030">2001</xref>:90). Der Mann wird wie ein Spiegel f&#x00FC;r die Frau, die Frau ein Spiegel f&#x00FC;r den Mann (vgl. Buber [1986] <xref ref-type="bibr" rid="CIT0006">2006</xref>:15: 32;<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0009">9</xref></sup> vgl. Bovet <xref ref-type="bibr" rid="CIT0004">1951</xref>:21). In dieser Verschiedenheit von Mann und Frau liegt ein Reiz. Der Vollzug von Sexualit&#x00E4;t war bei der Sch&#x00F6;pfung des Menschen mit eingeplant und Adam und die Frau haben den Auftrag sich sexuell zu vereinen. Demzufolge hat Gott Anziehungskraft, Erotik und Sexualit&#x00E4;t gestiftet, als er Frau und Mann in ihrem jeweiligen Geschlecht erschuf. Der urgewaltige Drang der Geschlechter zueinander kann auch darauf begr&#x00FC;ndet sein, dass die Frau aus der Seite des Mannes gebildet wurde und beide im Sexualakt wieder zu einem Fleisch werden, welches im gezeugten Kind sichtbar w&#x00FC;rde (von Rad <xref ref-type="bibr" rid="CIT0037">1992</xref>:163). Die im Gesch&#x00F6;pf verankerte Orgasmusf&#x00E4;higkeit zeigt die im Menschen organisch angelegte Lustf&#x00E4;higkeit. Und beim sexuellen Akt sind gerade die Organe besonders beteiligt, die bei Mann und Frau verschieden sind (Bovet [1972] <xref ref-type="bibr" rid="CIT0005">1981</xref>:9). Das wirkt anziehend.</p>
</sec>
<sec id="s20004">
<title>Definition</title>
<p>Eine &#x201A;Erotisierung&#x2018; setzt aktives Handeln voraus und geschieht, wenn jemand in etwas oder in jemanden Erotik hineininterpretiert. Dies kann sich auf Beziehungen, Aktionen, Situationen oder auch Personen beziehen.</p>
</sec>
<sec id="s20005">
<title>Beziehungsgeflecht</title>
<p>Unter&#x201A; Beziehung&#x2018; versteht man erstens die &#x201A;Gesamtheit von Wechselbeziehungen zwischen Menschen, innerhalb von Gruppen, Organisationen, Verb&#x00E4;nden&#x2018; und zweitens&#x201A; undurchschaubare Verbindungen&#x2018;, die auch zwischen Beh&#x00F6;rden, Ingenieuren, Landrats&#x00E4;mtern, B&#x00FC;rgermeistern oder Firmen m&#x00F6;glich sind (Online Enzyklop&#x00E4;die <xref ref-type="bibr" rid="CIT0025">2013</xref>).<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0010">10</xref></sup> Im allt&#x00E4;glichen Gebrauch werden so bestimmte Relationen zwischen verschiedenen Objekten und Individuen in Beziehung gesetzt.</p>
<p>Als ein <italic>Geflecht</italic> bezeichnet man ein Produkt, das durch das Ineinanderschlingen (flechten) mehrerer Str&#x00E4;nge aus biegsamem Material entsteht. Im &#x00FC;bertragenen Sinne kann daher auch von Verflechtungen von Interessen oder Bindungen gesprochen werden. Es entsteht ein Flechtwerk, ein verflochtenes, dichtes Netz. Synonym kann auch von Gewebe, Maschenwerk oder Netzwerk gesprochen werden (siehe auch M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0024">1997</xref>:286). Das Wort entstand im 15. Jahrhundert als Bezeichnung f&#x00FC;r eine Kollektivbildung zur Flechte.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0011">11</xref></sup></p>
</sec>
<sec id="s20006">
<title>Beziehungsgeflecht in der Mission</title>
<p>Im Rahmen dieses Artikels geht es um verschiedene Beziehungsgeflechte von Missionar/-innen die durch bestimmte soziale Vorstellungen bez&#x00FC;glich der N&#x00FC;tzlichkeit und Effizienz, durch eine Ideologie und/oder Ansicht gen&#x00E4;hrt werden.</p>
<p>In Missionssituationen sind die Beziehungsgeflechte Arbeits- und Lebensgemeinschaften inmitten eines fremden Landes, mit einer fremden Sprache in einer fremden Kultur. Die erwachsenen Missionar/-innen sind zu Unwissenden degradiert (dem sie zuerst freiwillig zugestimmt haben) und m&#x00FC;ssen ganz allt&#x00E4;gliche Lebensvorg&#x00E4;nge neu lernen.</p>
<p>Sie finden sich auf dem Missionsfeld h&#x00E4;ufig in einem eingeengten Umfeld mit Mitmissionar/-innen wieder, die als Kolleg/-innen eher willk&#x00FC;rlich zusammengestellt sind und die sie sich so nicht unbedingt f&#x00FC;r einen Freundeskreis ausgesucht h&#x00E4;tten.</p>
<p>Das Beziehungsgeflecht in evangelikalen Missionssituationen ist in den letzten Jahren komplizierter geworden, was sich auch darin zeigt, dass der h&#x00E4;ufigste Grund f&#x00FC;r vorzeitiges Heimkehren im Scheitern zwischenmenschlicher Beziehungen liegt (Scheunemann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2003</xref>:32).</p>
<p>Die deutschen Missionar/-innen sind heute zwar meistens von deutschen Missionsgesellschaften ausgesandt, aber ihr Beziehungsgeflecht ist multinational. Das Lebensumfeld innerhalb der Missionsgemeinschaft ist christlich und daher oft durch hohe Ideale gepr&#x00E4;gt, findet aber in einem nichtchristlichen kulturellen Umfeld statt. Die pers&#x00F6;nliche Beziehung zu Gott und die Orientierung an Gottes Wort sind im Umgang der Missionar/-innen miteinander hilfreich, dennoch werden die christlichen Werte immer wieder von den individuellen Eigenarten, Denkweisen, M&#x00F6;glichkeiten und Verletzungen gepr&#x00E4;gt sein. Um in der Mission leben zu k&#x00F6;nnen, bedarf es &#x201A;einer tiefen Willigkeit, voneinander zu lernen, kultureller Verstehenshilfen und viel praktizierter Vergebung&#x2018; (Scheunemann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2003</xref>:32).</p>
<p>Das Beziehungsnetz kann dabei stark von einheimischen Missionsgesellschaften und/oder einer dritten Kultur gepr&#x00E4;gt sein. Die Missionar/-innen arbeiten mit jungen und/oder reifen Christ/-innen und/oder einheimischen, nichtchristlichen Projektmitarbeiter/-innen zusammen und unterstehen zumeist einem Feldleiter oder einer Feldleiterin aus der sendenden Missionsgesellschaft. Durch die Kooperation mit einheimischen oder anderen Missionsgesellschaften unterstehen sie auch der einheimischen Kirchenleitung oder der Leitung durch die Partnermission aus einer dritten Kultur. Gleichzeitig gibt es Beziehungen zur Missionsleitung der sendenden Missionsgesellschaft und heute auch vermehrt den direkten Kontakt zur Leitung der Heimatgemeinde (Scheunemann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0031">2003</xref>:32) oder zum Freundeskreis zu Hause (Brandl <xref ref-type="bibr" rid="CIT0003">2003</xref>:48), die auch Erwartungen an die Missionar/-innen haben (Tr&#x00F6;ger <xref ref-type="bibr" rid="CIT0034">2003</xref>:56).</p>
<p>Ebenso k&#x00F6;nnen die Missionar/-innen in die Beziehungsgeflechte zwischen der Leitung der Missionsgesellschaft und den sendenden Heimatgemeinden, dem Freundeskreis der Mission, des/der Missionars/-in und der Feldleitung involviert sein, sowie in die Beziehungen zwischen der Feldleitung, der Missionar/-innengemeinschaft, der einheimischen Kirche und der Kultur des Gastlandes (Brandl <xref ref-type="bibr" rid="CIT0003">2003</xref>:49; M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0023">2009</xref>:49). Das Beziehungsgeflecht kann f&#x00FC;r Missionar/-innen hilfreich sein, aber auch spannungsgeladenen und missverst&#x00E4;ndlich.</p>
</sec>
<sec id="s20007">
<title>Ergebnis</title>
<p>Beziehungsgeflechte sind menschliche Verbindungen (Beziehungen) und deren Beziehungsprodukt (Geflecht), in dem mehrere Beziehungsstr&#x00E4;nge ineinander verflochten sind. Missionar/-innen sind untereinander, in der Gastkultur, innerhalb der Missionsgesellschaft und mit der sendenden Gemeinde und/oder einem Freundeskreis verwoben. Dabei m&#x00FC;ssen Hierarchien und unterschiedliche kulturelle Hintergr&#x00FC;nde ber&#x00FC;cksichtigt werden.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="s0008">
<title>Die Pr&#x00E4;studie</title>
<p>Zun&#x00E4;chst wurde in einer Pr&#x00E4;studie durch leitfadengest&#x00FC;tzte Interviews mit anschlie&#x00DF;ender qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0020">1999</xref>) die Relevanz der Untersuchung zu heterosexuell erotisierten Beziehungsgeflechten untersucht. Das Ziel war einen &#x00DC;berblick zu Pr&#x00E4;ventionsma&#x00DF;nahmen in der aktuellen Missionspraxis zu erhalten. Dazu wurden 63 deutsche, evangelikale Missionsgesellschaften, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM)<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0012">12</xref></sup> zusammengeschlossen haben per E-Mail angeschrieben, um herausfinden, wie sich Missionar/-innen in Bezug auf die Erotisierung von Beziehungsgeflechten bei der Missionsarbeit vorbereitet und wie sie begleitet werden.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0013">13</xref></sup> Es wurde danach gefragt, was die Missionsgesellschaft den Missionar/-innen im Zusammenhang mit Erotisierung von Beziehungsgeflechten mit auf den Weg gibt und welche Literatur zur Verf&#x00FC;gung steht oder empfohlen wird.</p>
<p>Der R&#x00FC;cklauf l&#x00E4;sst folgende Schl&#x00FC;sse zu: Die Missionswerke haben den Umgang mit Erotik und Sexualit&#x00E4;t vor allem vor der Ausreise im Blick. W&#x00E4;hrend eines Auslandaufenthaltes sind die Missionar/-innen st&#x00E4;rker auf ihre Eigeninitiative angewiesen und k&#x00F6;nnen sich zum Beispiel vertrauensw&#x00FC;rdige Gespr&#x00E4;chspartner suchen. Bei einigen Missionswerken werden aufkommende Probleme in Seminaren thematisiert. Gleichzeitig ist es schwierig, heterosexuell erotisierte Beziehungsgeflechte im Rahmen der semistrukturierten Interviews, wie sie etwa in psychiatrischen Kliniken vorgenommen werden, abzugreifen, weil auch der Scham Rechnung getragen werden soll. Man kann sich dann leicht vorstellen, dass dabei nicht alles erz&#x00E4;hlt wird, was die Missionar/-innen tats&#x00E4;chlich besch&#x00E4;ftigt.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0014">14</xref></sup></p>
<p>Manche Missionswerke gehen offensiv mit dem Thema Sexualit&#x00E4;t und Erotik um und haben dazu schriftliche Hinweise und Anweisungen. Diese unterscheiden sich in Inhalt und Umfang deutlich, nicht aber in ihren Zielen. Alle Missionsgesellschaften wollen die Mitarbeiter/-innen zu sexueller Reinheit<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0015">15</xref></sup> und ehelicher Treue animieren. Dennoch wissen manche Missionsgesellschaften nicht, wie sie das thematisieren k&#x00F6;nnen. Wenn Sexualit&#x00E4;t und Erotik in Missionsgesellschaften einer starken Tabuisierung unterliegen und gleichzeitig die soziale Kontrolle innerhalb der Missionssubkultur hoch ist, ist es nicht verwunderlich, dass nicht offen und hilfreich mit beginnender Erotisierung im Missionsbeziehungsgeflecht umgegangen werden kann.</p>
</sec>
<sec id="s0009">
<title>Die empirische Studie</title>
<p>Im Folgenden werden sowohl die Theorie zur empirischen Forschung als auch deren Ergebnisse zu erotisierenden Erlebnissen im Missionarsgeflecht dargestellt. Alle Interviewten waren oder sind aktive Missionar/-innen.</p>
<sec id="s20010">
<title>Theorie zur empirischen Forschung</title>
<p>F&#x00FC;r die qualitativ-empirische Forschung wurde eine narrative Frageform nach Kaufmann (<xref ref-type="bibr" rid="CIT0015">1999</xref>) gew&#x00E4;hlt, die mit einer induktiven Theorienbildung, der <italic>Grounded Theory</italic> (Strauss &#x0026; Corbin <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">1996</xref>; auch Faix <xref ref-type="bibr" rid="CIT0009">2007</xref>), computergest&#x00FC;tzt ausgewertet wurde (MAXQDA <xref ref-type="bibr" rid="CIT0019">2013</xref>). Bei den narrativen Interviews sollte ein gewisser S&#x00E4;ttigungsgrad erreicht werden, so, dass nichts oder kaum mehr Neues aus den Interviews herausgeholt werden kann (Kaufmann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0015">1999</xref>:43).</p>
<p>Der Zugang zu den Interviewpartner/-innen geschah auf drei verschiedene Arten:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Zun&#x00E4;chst erfolgte ein Aufruf in der Zeitschrift <italic>em</italic> (evangelikale mission) (Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0016">2012</xref>:198),<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0016">16</xref></sup> bei dem bewusst auf einen konkreteren Hinweis zum Thema &#x201A;erotisierte Beziehungsgeflechte&#x2018; verzichtet wurde, da die Bef&#x00FC;rchtung bestand, dass die Missionar/-innen durch das Wort &#x201A;erotisiert&#x2018; abgeschreckt werden k&#x00F6;nnten oder ihre Denkrichtungen nicht zum Ziel dieser Dissertation passten.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0017">17</xref></sup> Eine Person meldete sich daraufhin als Interviewpartnerin.</p></list-item>
<list-item><p>Bei einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) erhielt ich die M&#x00F6;glichkeit das Forschungsvorhaben vorzustellen und um Interviewpartner anzuwerben. Auch hier verzichtete ich auf den Gebrauch des Wortes &#x201A;erotisiert&#x2018;. Vier Interviews wurden sofort aufgenommen. Alle vier Proband/-innen erz&#x00E4;hlten von Erotisierungen im Beziehungsgeflecht, obwohl nur drei mein Forschungsanliegen erkannt hatten. Vier weitere Interviews wurden verabredet.</p></list-item>
<list-item><p>Obwohl alle Interviewpartner/-innen von Erotisierungen in missionarischen Beziehungsgeflechten berichteten, h&#x00E4;tte der Titel des Forschungsprojekts dennoch direkt vor dem Interview genannt werden m&#x00FC;ssen, da eine Missionarin nachher sagte: &#x201A;H&#x00E4;tte ich das gewusst, h&#x00E4;tte ich noch ganz andere Geschichten erz&#x00E4;hlt.&#x2018;<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0018">18</xref></sup></p></list-item>
<list-item><p>Ein interviewter Missionar schlug seine Ehefrau als weitere Interviewpartnerin vor, da diese &#x201A;viel mehr betroffen war und es st&#x00E4;rker empfunden hat&#x2018; (M3).<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0019">19</xref></sup> Es folgten weiter Interviewempfehlungen. Diese Missionare habe ich dann aufgesucht und direkt vor der Aufzeichnung das konkrete Forschungsthema genannt.</p></list-item>
<list-item><p>Nach der zweiten Interviewserie mit insgesamt 11 Interviews war deutlich, dass noch keine thematische S&#x00E4;ttigung erreicht worden war. In vielen Gespr&#x00E4;chen zu Beginn meiner Forschungsarbeit hatte ich viele verschiedene Geschichten geh&#x00F6;rt, die sich in den Interviews bisher so nicht widerspiegelten.</p></list-item>
<list-item><p>Zur dritten Interviewserie nutzte ich eine Liste der zehn gr&#x00F6;&#x00DF;ten Missionswerke Deutschlands (Idea <xref ref-type="bibr" rid="CIT0014">2013</xref>:8) und die Kontaktaufnahme erfolgte &#x00FC;ber die Missionsleiter/-innen. Alle Missionar/-innen wurden vorab per Mail von diesen oder mir &#x00FC;ber das Forschungsvorhaben informiert.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0020">20</xref></sup> Ab diesem Zeitpunkt habe ich mit den f&#x00FC;r Interviews offenen Missionar/-innen ein telefonisches Vorgespr&#x00E4;ch gef&#x00FC;hrt. Dabei wurde das Thema der Arbeit genannt und nach diesbez&#x00FC;glichen Erlebnissen gefragt. Bei circa der H&#x00E4;lfe der telefonischen Vorgespr&#x00E4;che wurde dann ein konkreter Interviewtermin vereinbart. Alle anderen potentiellen Proband/-innen erkl&#x00E4;rten, keine Erlebnisse zur Erotisierung im missionarischen Beziehungsgeflecht zu haben oder sie wollten kein Interview geben, weil ihre Informationen aus seelsorgerlichen Gespr&#x00E4;chen stammten (zwei Personen). Eine Person lehnte ein Interview ab, weil ihr das Thema zurzeit zu nahe gehe.</p></list-item>
<list-item><p>Ebenso wurde der Fragestil ver&#x00E4;ndert. Die ersten Interviews waren fragetechnisch etwas eingeengt gewesen durch die Angst, etwas falsch zu machen und die Gespr&#x00E4;che m&#x00F6;glicherweise zu sehr zu lenken. Den Fragestil aus meinem Berufsalltag als seelsorgerlich-psychologische Beraterin mit in eine wissenschaftliche Arbeit zu nehmen, gelang daher zuerst nur zaghaft. Nun konnte ich mich davon zunehmend befreien und meine individuellen Fragen wurden spezieller, bohrender und zielf&#x00FC;hrender. Das galt besonders f&#x00FC;r die Interviewteile, in denen es um die Gef&#x00FC;hle der Proband/-innen ging. W&#x00E4;hrend der Interviews geschah auch immer wieder, dass die Interviewpartner/-innen weitere Beispiele von Erotisierungen bei sich selbst und anderen schilderten.</p></list-item>
</list>
<p>Zum Zeitpunkt der Befragung waren die Proband/-innen zwischen 35 und 68 Jahren alt. W&#x00E4;hrend der Zeit, aus der die Erlebnisse stammen waren zehn Missionarinnen Singles, alle anderen (acht Ehefrauen und acht Ehem&#x00E4;nner) verheiratet. Singles erz&#x00E4;hlten mir ganz pers&#x00F6;nliche Geschichten und sie waren dann besonders offen, wenn sie das Erlebte bereits bearbeitet und reflektiert hatten. Vier Ehepaare wurden gemeinsam interviewt. Dabei wurde die Ehedynamik durch die erotisierten Beziehungsgeflechte viel klarer. Gleichzeitig konnten Mutma&#x00DF;ungen, was jeweils bei dem anderen Partner abgelaufen ist, direkt &#x00FC;berpr&#x00FC;ft werden. Das steigerte wiederum die Qualit&#x00E4;t. Bei drei Interviews hatten die Eheleute die Situationen vorher schon ausf&#x00FC;hrlich gemeinsam reflektiert und bearbeitet. Das f&#x00FC;hrte insgesamt zu einer gro&#x00DF;en Offenheit. Bei einem Ehepaar wurden die Partner getrennt interviewt. Drei Ehem&#x00E4;nner und drei Ehefrauen wurden ohne die Beteiligung ihrer Ehepartner interviewt. Die meisten Interviews wurden in privaten Settings oder in ungest&#x00F6;rten B&#x00FC;ro- oder Gemeinder&#x00E4;umen aufgenommen, bei vier Interviews war der Rahmen eher &#x00F6;ffentlich (belebte Vorhalle, Eingangsbereich, Restaurant). Die Interviewpartner/-innen kamen aus acht verschiedenen, evangelikalen, deutschen Missionsgesellschaften, die im Dachverband der AEM zusammengeschlossen sind.</p>
<p>Die Interviewdauer betrug zwischen 9:43 und 81:52 Minuten. Die teilweise langen Interviewzeiten ergaben sich daraus, dass es sich um ein intimes und damit heikles Interviewthema handelte. Manche Interviewpartner/-innen konnten ihre Erlebnisse nicht in wenigen S&#x00E4;tzen zusammenfassen. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass die Proband/-innen froh waren, die Geschichte endlich einmal jemand erz&#x00E4;hlen zu k&#x00F6;nnen. Es tat ihnen gut, dass ihre schwierigen Erlebnisse einen wissenschaftlichen Nutzen haben k&#x00F6;nnten. Manche Interviewpartner/-innen erz&#x00E4;hlten gleich von mehreren Erotisierungen. Eine Interviewpartnerin hatte zum Beispiel drei verschiedene Erotisierungserlebnisse vorbereitet, andere f&#x00FC;gten, meist spontan und oft bereits vergessene, weitere Geschichten ein.</p>
<p>Gerade wenn Proband/-innen von beobachteten Geschichten berichten, sollte &#x00FC;berpr&#x00FC;ft werden, ob tats&#x00E4;chliche Erotisierung vorlag oder ob die Erotisierung alleine im Kopf des/der Interviewpartners/-in vorlag war &#x2013; was ja eine Erotisierung ohne Erotik w&#x00E4;re. Auch das brauchte Zeit. Viele der Interviews bekamen deshalb eine tiefenpsychologische Dimension, die bei der Auswertung n&#x00FC;tzlich war, die Interviews aber verl&#x00E4;ngerte. Au&#x00DF;erdem brauchten die Probanden/-innen einfach Zeit zum Nachdenken und um Vertrauen aufzubauen.</p>
<p>H&#x00E4;ufig war zu beobachten, dass die Interviewpartner/-innen w&#x00E4;hrend des Interviews freier wurden und verga&#x00DF;en, dass das Interview aufgezeichnet wurde. Zuerst achteten sie meist noch intensiv darauf keine Namen zu nennen. Das wurde zunehmend unwichtiger. Manche Interviewpartner/-innen hatten erst durch die Interviewfragen verstanden, was sie <italic>wirklich</italic> denken beziehungsweise hatten Worte f&#x00FC;r das gefunden, was vorher ein diffuses Gef&#x00FC;hl gewesen war (Fs8 und Fv11). Durch h&#x00E4;ufiges Zusammenfassen des Geh&#x00F6;rten bekamen die Proband/-innen erstens die M&#x00F6;glichkeit zu &#x00FC;berpr&#x00FC;fen ob sie richtig verstanden worden waren, konnten zweitens korrigieren und drittens Fehlendes erg&#x00E4;nzen. Die Interviewpartner/-innen erz&#x00E4;hlten bereitwillig und eher schonungslos und von ihren unangenehmen Erlebnissen und Fehlern (vgl. Kaufmann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0015">1999</xref>:102&#x2013;103).</p>
<p>Die Interviews wurden digital aufgezeichnet und anschlie&#x00DF;end nach erweiterten, einfachen Regeln, kommentiert, transkribiert (Mayring <xref ref-type="bibr" rid="CIT0020">1999</xref>:70&#x2013;73). Gesprochene Dialekte wurden ins Hochdeutsche &#x00FC;bertragen (S. 70), nicht sprachliche Signale wie lachen, stottern und husten wurden notiert (S. 71). Nicht verst&#x00E4;ndliche S&#x00E4;tze oder Satzteile wurden mit (&#x2026;) gekennzeichnet.</p>
<p>Bei der Transkription wurden alle Namen (auch Projektnamen), L&#x00E4;nder, St&#x00E4;dtenamen, Namen von Missionsgesellschaften und Jahreszahlen anonymisiert. Im christlichen Kontext erkennbare Berufsbezeichnungen oder Bezeichnungen von Gremien wurden in Absprache mit den Interviewpartner/-innen verallgemeinert und an &#x00E4;hnliche Positionen aus der Wirtschaft angelehnt.</p>
<p>Die Daten wurden zun&#x00E4;chst mittels &#x201A;offenem Codieren&#x2018; aufbereitet und dazu&#x201A; in einzelne Teile aufgebrochen, gr&#x00FC;ndlich untersucht, auf &#x00C4;hnlichkeiten und Unterschiede hin verglichen&#x2018; (Strauss &#x0026; Corbin <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">1996</xref>:44) und in sinnvolle Analyseeinheiten zerlegt (Strauss &#x0026; Corbin <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">1996</xref>:44&#x2013;53; Kaufmann <xref ref-type="bibr" rid="CIT0015">1999</xref>:117). Zeitgleich wurde offen, axial und selektiv codiert. Der Vorgang endete mit selektivem Codieren (Flick <xref ref-type="bibr" rid="CIT0010">2010</xref>:387&#x2013;388).</p>
<p>Gleichzeitig wurden Ph&#x00E4;nomene dimensionalisiert (Strauss &#x0026; Corbin <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">1996</xref>:52), Feststecken im deskriptiven Denken mit der &#x201A;Flip-Flop-Technik&#x2018; (64&#x2013;66)<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0021">21</xref></sup> &#x00FC;berwunden, Festlegungen und absolut formulierte Meinungen mit dem Ziel zu einer wirklichkeitsnahen Abbildung der Missionsrealit&#x00E4;t zu kommen hinterfragt. Untersuchungseinheiten wurden&#x201A; miteinander verglichen, die ein oder mehrere interessante Kategorien gemeinsam haben&#x2018; (Faix <xref ref-type="bibr" rid="CIT0009">2007</xref>:83) und beim <italic>theoretical sampling</italic> entstanden aus theoretisch bedeutsamen Merkmalen und &#x00C4;hnlichkeiten sowie relevanten Unterschieden neue Kategorien.</p>
<p>Die verschiedenen ineinandergreifenden Codierungsprozesse endeten mit 1501 Codierungen in drei Grobkategorien (erotische Beziehungsgeflechte, Folgen der Erotisierung, Pr&#x00E4;vention und oberfl&#x00E4;chliche Sortierung) zugewiesen worden waren.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0022">22</xref></sup> Der gesamte Prozess wurde wiederholt, dabei ver&#x00E4;ndert, erweitert, erg&#x00E4;nzt und neu zusammengesetzt. Der Codierungsprozess endete schlie&#x00DF;lich mit 1628 Codes. Im n&#x00E4;chsten Schritt wurde diese grobe Einteilung nach den Eigenschaften und der jeweiligen Dimension zu Kernkategorien verbunden (Strauss &#x0026; Corbin <xref ref-type="bibr" rid="CIT0033">1996</xref>:109).</p>
<p>Im Folgenden wird abgebildet, welchen heterosexuellen Erotisierungen im missionarischen Beziehungsgeflechte gefunden wurden.</p>
</sec>
<sec id="s20011">
<title>Erotisierungen im missionarischen Beziehungsgeflecht</title>
<p>Die Erotisierungen im missionarischen Beziehungsgeflecht konnten in f&#x00FC;nf Gruppen unterteilt werden:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Erotisierungen durch Vorannahmen und Verallgemeinerungen.</p></list-item>
<list-item><p>Intrinsische Erotisierungsfaktoren.</p></list-item>
<list-item><p>Erotisierungen zwischen Missionar/-innen und Einheimischen.</p></list-item>
<list-item><p>Erotisierungen im kollegialen Beziehungsgeflecht.</p></list-item>
<list-item><p>Erotisierung, Familienstand und Lebensumst&#x00E4;nde.</p></list-item>
</list>
<p>Da unter den Punkten 3&#x2013;5 die facettenreichsten Ergebnisse gefunden wurden, werden diese ausf&#x00FC;hrlicher beschrieben.</p>
<sec id="s30012">
<title>Erotisierung durch Vorannahmen und Verallgemeinerungen</title>
<p>Einige Missionare formulierten die Vorannahme, dass Erotisierungen im missionarischen Beziehungsgeflecht ebenso m&#x00F6;glich sind wie in jedem anderen Kontext (FvM5, M10, Fv11, Fs12, Fs19) oder gingen davon aus, dass &#x201A;wenn ein Mann und eine Frau zusammen alleine sind&#x2018; (Fs4, M10) irgendwas &#x201A;passiert&#x2018;. Andere sahen Erotisierungen eher als geistliche Anfechtung (Fv9, Fv15, M16). Dass unerw&#x00FC;nschte Erotisierungen in der Mission unnat&#x00FC;rlich stark tabuisiert sind machte es zus&#x00E4;tzlich schwierig, zumal sich beim Leben in der Mission auch die Erotisierungsanf&#x00E4;lligkeit verst&#x00E4;rken konnte (Fv5, Fv6, Fs8, M10, Fv12, Fs18, Fs19). Unterschiedlich starke Tabuisierung von Erotisierung in den Heimatl&#x00E4;ndern der Missionar/-innen erschwerten die l&#x00E4;nder&#x00FC;bergreifende Zusammenarbeit (Fs12).</p>
</sec>
</sec>
<sec id="s20013">
<title>Intrinsische Erotisierungsfaktoren</title>
<p>Weitere Ursachen lagen in intrinsischen<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0023">23</xref></sup> Faktoren, die unterteilt werden k&#x00F6;nnen in:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>intrinsische Pers&#x00F6;nlichkeitsaspekte (M5, Fv5, Fs7, Fs8, Fv9, M10, Fv11, Fs12, Fv13, Fs14, FvM16, Fs18, Fv21) (siehe Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>:219&#x2013;223).</p></list-item>
<list-item><p>extrinsische Erotisierung, die durch intrinsische Faktoren beg&#x00FC;nstigt sind (M5, Fs12, FvM13, Fs14, Fv15, Fs18, Fv21) (siehe Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>:223&#x2013;225).</p></list-item>
<list-item><p>Eifersucht, die berechtigt sein konnte (Fv6, Fs12, M13, M16, FvM16), provozieren wollte (Fv11), aber auch unberechtigt sein konnte (Fs1, Fs18, M20).</p></list-item>
<list-item><p>Fehlinterpretationen oder das herunterspielen von Anzeichen f&#x00FC;r Erotisierungen bei sich selbst (Fv6, Fv11, Fs12, Fv13, FvM15, M16) oder anderen (Fv5, Fv6, Fv11, FvM13, Fv21).</p></list-item>
<list-item><p>mentale (Fv9, Fs12, FvM13, FvM16) oder k&#x00F6;rperlich vollzogene Seitenspr&#x00FC;nge (Fv6, Fv11, Fv21). Wobei die mentalen Seitenspr&#x00FC;nge ausschlie&#x00DF;lich im Kopf stattfanden und sich auf konkrete Personen beziehen konnten (Fs12, FvM13) oder eher als Option gedacht wurden (Fv9, Fs12, FvM16).<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0024">24</xref></sup></p></list-item>
</list>
<sec id="s30014">
<title>Erotisierungen zwischen Missionar/-innen und Einheimischen</title>
<p>Laut der Interviews konnten Missionar/-innen in der Gastkultur sowohl das Objekt als auch der Ausgangspunkt von Erotisierungen sein. Beide Richtungen werden im Folgenden dargestellt.</p>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec id="s0015">
<title>Die Erotisierung durch die Gastkultur bzw. Einheimische</title>
<p>Fast alle Interviewpartner/-innen berichteten von einer Erotisierung durch die Gastkultur. Erotisierungen im Gastland nach Kontinenten:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Afrika: Fs4, Fv11, Fs14, Fs19, M20, Fv21.</p></list-item>
<list-item><p>Afrikanisch-islamischer Kontext: Fs7, Fs19.</p></list-item>
<list-item><p>Asien: Fv8, Fv9, M10, FvM16.</p></list-item>
<list-item><p>Europa: FvM13, FvM15.</p></list-item>
<list-item><p>Lateinamerika: FvM5, Fs12, Fs17, Fs18.</p></list-item>
</list>
<p>Ungenanntes Missionsland: M2, Fv6.</p>
<p>Von der Erotisierung waren Singles (Fs7, Fs8, Fs12, Fs17, Fs18, M20), Ehem&#x00E4;nner (Fv6, Fv9, M10, FvM15, FvM16, Fv21) und eine Ehefrau (Fv13) betroffen.</p>
<p>Manche Missionar/-innen erlebten im Gastland eine bis dahin nicht gekannte, starke Erotisierung (Fs12, M16, Fs17, Fs18, Fv21), die st&#x00E4;rker als in Deutschland war (Fs12, M16, Fs17). F&#x00FC;r einen Interviewpartner war die Herausforderung in Deutschland h&#x00F6;her, denn im Gastland w&#x00FC;sste man &#x201A;was geht und was geht nicht&#x2018; (M10). Beziehungsorientierte oder einsame Missionare beschrieben, durch Sorglosigkeit in der Gastkultur Erotisierungen ausgel&#x00F6;st zu haben, obwohl sie keine Erotisierungsabsicht hatten (M13, FvM15).<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0025">25</xref></sup> Einige Missionar/-innen erkannten die Intensit&#x00E4;t der Erotisierung erst nach der R&#x00FC;ckkehr nach Deutschland, weil sie feststellten, dass das f&#x00FC;r sie in Deutschland kein so intensives Thema mehr ist (Fs12, M15, Fs18). Erotisierungen im Gastland waren dann besonders herausfordernd, wenn die sexuelle Beziehung in der Ehe durch die Besonderheiten des Missionsfelds gepr&#x00E4;gt war (Fs18, Fv21)<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0026">26</xref></sup> oder wenn Singles ausreisten (Fs12, Fs18).</p>
<p>Auch wenn Singlefrauen in m&#x00E4;nnerdominierten Kulturen oft weniger attraktiv wirkten, als &#x201A;anders&#x2018; und fast als asexuell galten (M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0019">2013</xref>:140), erlebten sie neben personalen Erotisierungen auch grunds&#x00E4;tzliche Erotisierung durch die Gastkultur, mit der sie irgendwie umgehen und fertig werden mussten. Gleichzeitig war es schwierig, die erotisierenden Indikatoren und Hinweise der fremden Kultur zu erfassen. &#x201A;Meinen die das jetzt ernst? Oder ist das nicht ernst?&#x2018; (Fs12, Fs7, M16). Man versuchte sich gegen eine Erotisierung zu sch&#x00FC;tzen, dennoch war die erotisierende Atmosph&#x00E4;re allgegenw&#x00E4;rtig (Fs4, Fs7, Fs17, Fs18, M20). Die Missionar/-innen setzten sich auch immer wieder mit den (teilweise befremdlichen) sexuellen Praktiken der Gastkultur auseinander und thematisierten diese inhaltlich (M2, M20).</p>
<p>Singles konnten sich im Missionsland in der &#x00D6;ffentlichkeit nicht frei bewegen und brauchten mehr Schutz. Das erotisierte sie (Fs7, M10, Fs18, Fs19). Obwohl Erotisierungen verhindern werden sollten, trugen die geschlechtsspezifischen Umgangsregeln der Gastkultur zu einer Erotisierung bei (M10), wie zum Beispiel das Zusammensein von Mann und Frau ohne Begleitperson, wenn es in der Gastkultur mit einer sexuellen Handlung gleichgesetzt wurde (Fs4, M5, Fs8, M10, Fs14, M15, Fs18, M20, Fv21). Daher wurden solche Situationen vermieden und Erotisierungen geschahen nun durch das Prinzip der &#x201A;offenen T&#x00FC;re&#x2018; (Fs4, M5, Fs8, M10, FvM13, Fs18).</p>
<p>Singlemissionarinnen, die enthaltsam leben wollen, waren in st&#x00E4;ndiger Auseinandersetzung mit Erotisierungen, weil sich die Menschen der Gastkultur nicht vorstellen konnten, dass Singles &#x201A;sexuell rein&#x2018; sein (F8:72) und gut allein leben konnten.<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0027">27</xref></sup></p>
<p>,Was erotisiert wird, h&#x00E4;ngt sehr stark davon ab, was kulturell als Erotisierung oder als erotisch betrachtet wird&#x2018; (M10). Im asiatischen Kontext gilt die Zone zwischen den Beinen als erotisch, weshalb keine Hosen ohne lange Oberteile getragen werden k&#x00F6;nnen. Im afrikanisch-muslimischen Kontext f&#x00FC;hrte gerade das, was verdeckt wurde zu einer unterschwelligen Erotisierung (Fs7). In Ostafrika sollte der Rock einer Frau m&#x00F6;glichst bis zur Wade gehen. Die Brust wurde als Aspekt des Mutterseins von Erotisierungen ausgenommen (Fv21).</p>
<p>War das Kleidungsverhalten der einheimischen Frauen &#x201A;sehr offenherzig&#x2018; und stilvoll (Fs17, Fv21) weil sie &#x201A;was aus sich machen&#x2018; (Fv21) und M&#x00E4;nnern gefallen wollten (Fv5) wirkte das besonders stark, wenn die eigene Ehefrau vor allem zweckm&#x00E4;&#x00DF;iges, &#x201A;weites, schlabberiges Zeug&#x2018; trug (Fv21).</p>
<p>In 15 von 21 Interviews berichteten Missionar/-innen von personalen Erotisierungserlebnissen bei sich selbst oder bei anderen. M&#x00E4;nner oder Frauen der Gastkultur versuchten Missionar/-innen aktiv zu erobern (Fv5, Fv9, M10, Fs12, Fv13, FvM15, FvM16, Fs18, Fs19, M20, Fv21). Die Missionar/-innen interpretierten, dass f&#x00FC;r Einheimische eine Beziehung oder Partnerschaft mit Ausl&#x00E4;ndern durchaus attraktiv sei (Fs7, M10, M15, Fs19, Fv21), Halt gebe (M15), als exotisch betrachtet w&#x00FC;rde (Fv13, M15, Fs17), Missionare als Heiratsoption gelten (FvM15), erst recht, wenn Wunsch nach einem hellh&#x00E4;utigen Baby durch einen wei&#x00DF;en Missionar bestehe (Fs17).</p>
<sec id="s20016">
<title>Die Erotisierung Einheimischer durch Missionar/-innen</title>
<p>Von Erotisierungen Einheimischer durch Missionar/-innen wurde insgesamt weniger berichtet. Sie geschah wenn Missionar/-innen st&#x00E4;ndig dar&#x00FC;ber nachdachten, welches Verhalten in der Gastkultur erotisierend wirken k&#x00F6;nnte (Fs7, M10, FvM15, M20). Aber auch die Fremdheit der Gastkultur konnte erotisierend wirken (M10, M15, Fs17, Fv21). Einheimische wurden auch erotisiert durch die Vormachtstellung/Leitungsfunktion der (h&#x00E4;ufig m&#x00E4;nnlichen) Missionare, auf die diese aber wiederum nicht pochten, die andere Hautfarbe und weil m&#x00E4;nnliche Missionare von einheimischen Frauen als zugewandt, sensibel und emphatisch erlebt wurden (Fv21).</p>
<p>Missionar/-innen erotisierten auch Personen der Gastkultur, die sich nicht kulturkonform verhielten (M16), aber auch der Wunsch nach Inkulturation konnte erotisierenden Charakter annehmen; passiv, wenn das Verhalten der eigenen Kultur mit der Zeit als unschicklich empfunden wurde (M10) oder aktiv, wenn die Distanz verloren ging (F11).</p>
<p>Einheimische wurden von Ehem&#x00E4;nnern (Fv6, FvM15, M16, Fv21), Ehefrauen (Fv11, Fv16) und von Singles (Fs7, Fs17) erotisiert.</p>
<sec id="s30017">
<title>Erotisierungen im kollegialen Beziehungsgeflecht</title>
<p>Erotisierungen im kollegialen Beziehungsgeflecht kamen in den Interviews relativ h&#x00E4;ufig vor (Ausnahmen: Fv6, FvM13, Fv21). Die Erotisierungen geschahen sowohl passiv<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0028">28</xref></sup> (Fs1, M2, M3, FvM5, Fs7, Fs8, Fv9, M10, Fv11, FvM16, Fs19) als auch aktiv<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0029">29</xref></sup> (M2, Fs4, FvM5, Fs12, Fs14, FvM15, Fs17, Fs18, Fs19, M20).</p>
<p>Innerhalb deutscher Missionarsgemeinschaften wurde mehr passiv erotisiert. Erotisierungen durch die nordamerikanischen Kolleg/-innen waren mehrheitlich aktiv und manchmal sehr direkt (<xref ref-type="table" rid="T0001">Tabelle 1</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>F&#x00FC;r mich war das in dem Moment wirklich Erotik pur &#x2026; Mir war irgendwie klar, hier geht irgendwas ab. An Blicken, an Gesten und dann mussten wir noch in so einem ganz engen Taxi zusammen fahren und das war schon &#x2026; boha. &#x2026; Das hat mich v&#x00F6;llig &#x00FC;berrascht (Fs12:29&#x2013;47).</p>
</disp-quote>
<table-wrap id="T0001">
<label>TABELLE 1</label>
<caption><p>Passive oder aktive kollegiale Erotisierung.</p></caption>
<table frame="hsides" rules="groups">
<thead>
<tr>
<th valign="top" align="left">Erotisierung durch</th>
<th valign="top" align="center">Passiv</th>
<th valign="top" align="center">Aktiv</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left">deutsche Kolleg/-innen</td>
<td align="center">Fs1, M2, M3, FvM5, Fv9, M10, Fv11, FvM16, Fs19</td>
<td align="center">M20</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">deutsche Missionsgesellschaft</td>
<td align="center">Fs19</td>
<td align="center">Fs17</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">nordamerikanische Kolleg/-innen</td>
<td align="center">Fs7, Fs8, Fs18, Fs19</td>
<td align="center">Fs4, FvM5, Fs12, FvM15, Fs17, Fs18</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">s&#x00FC;dafrikanische Kolleg/-innen</td>
<td align="center">-</td>
<td align="center">Fs14, Fs19</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">einheimische Kolleg/-innen ungenannter Kultur</td>
<td align="center">Fs8</td>
<td align="center">M2</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table-wrap-foot>
<fn><p><italic>Source</italic>: Kessler, M., <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>, &#x201A;Missionarinnen in heterosexuell erotisierten Beziehungsgeflechten. Eine theologisch-soziologische Untersuchung in deutschen evangelikalen Missionsgesellschaften&#x2018;, DTh Dissertation. University of South Africa. Pretoria, s. 199, aufgesucht am 09. Juni 2015, von <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?sequence=1&#x0026;isAllowed=y">http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?sequence=1&#x0026;isAllowed=y</ext-link></p></fn>
</table-wrap-foot>
</table-wrap>
<p>Manche Missionar/-innen erotisierten, obwohl sie Erotisierungen durch besonders korrektes Verhalten vorbeugen wollten. Das geschah auch, weil die Missionar/-innen dem christlichen Zeugnis nicht durch Erotisierung im Weg stehen wollten (Fs18) und weil sie kulturelle Faktoren f&#x00FC;r Erotisierung beachten mussten (Fs4). Dennoch geschahen gerade dadurch Erotisierungen. So nahmen Singles, um Eifersucht zu vermeiden, besonderen Kontakt zur Ehefrau des Missionars auf (Fs4, Fs7, Fs8, Fv9) und andere waren hoch wachsam (M5, Fv11, M15). &#x201A;Neulinge&#x2018; sollten m&#x00F6;glichst schnell &#x201A;eingenordet&#x2018;<sup><xref ref-type="fn" rid="FN0030">30</xref></sup> (Fs4) und sensibel f&#x00FC;r die eigene Wirkung beziehungsweise das Einhalten entsprechender Regelwerke gemacht werden (M10). Dazu hatten Missionsgesellschaften m&#x00FC;ndliche Regeln oder ein schriftliches Regelwerk f&#x00FC;r den Umgang mit dem anderen Geschlecht (Fs18, Fs19). Weibliche Missionarinnen sollten (weder bei Tag und erst recht nicht in der Nacht) mit einem Mann allein in einer Wohnung oder auf Dienstreise sein (Fs4, Fs18, M20, Fv21). Regelbewusstes Verhalten f&#x00FC;hrte dazu, dass Mitmissionar/-innen kontrolliert wurden, denn &#x201A;was mir nicht zugestanden werden kann, das sollen auch andere nicht haben&#x2018; (M10, M20). So wurden Beziehungen erotisiert, um eine Erotisierung der Betroffenen miteinander zu verhindern und neue Missionar/-innen wurden sogleich mit Erotisierungen in Kontakt gebracht.</p>
<p>Der unterschiedliche kulturelle Hintergrund von Missionar/-innen zeigte sich auch, als nordamerikanischen Missionare erstaunt dar&#x00FC;ber waren, dass das Miteinander von M&#x00E4;nnern und Frauen in Deutschland normalerweise nicht geregelt wird (Fs19). Ehem&#x00E4;nner wurden von ihnen zum Beispiel aufgefordert, jeglichen K&#x00F6;rperkontakt, auch Schulterklopfen, bei Singles zu unterlassen um Erotisierungen vorzubeugen (Fs17). So wurde Spontanit&#x00E4;t eingeschr&#x00E4;nkt und nat&#x00FC;rliches Verhalten erotisiert.</p>
<p>Nat&#x00FC;rlich kann es attraktiv sein, mit Erotisierung zu spielen. Wer jedoch mit Erotisierung spielt, meint es nicht wirklich ernst, fordert aber leichtsinnig eine Gefahr durch die Einleitung eines riskanten Unterfangen ein (Udem <xref ref-type="bibr" rid="CIT0035">2013</xref>). Das geschah auch im missionarischen Beziehungsgeflecht (M2, M5, FvM5, Fv6, Fv11, Fs12, Fv13, M16).</p>
<table-wrap id="T0002">
<label>TABELLE 2</label>
<caption><p>Kollegiale Erotisierungen ohne zugrundeliegende Erotik.</p></caption>
<table frame="hsides" rules="groups">
<thead>
<tr>
<th valign="top" align="left">Erotisierungsobjekt: Erotisierung durch</th>
<th valign="top" align="center">Singles</th>
<th valign="top" align="center">Ehefrauen</th>
<th valign="top" align="center">Ehem&#x00E4;nner</th>
<th valign="top" align="center">Alle Mann-Frau-Beziehungen</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left">Singles</td>
<td align="center">M20</td>
<td align="center">Fs4, Fs8</td>
<td align="center">-</td>
<td align="center">Fs4</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Ehefrauen</td>
<td align="center">Fs1, M2, M3, FvM5, Fs7, Fv9, Fv11, Fv16, Fs18, Fs21</td>
<td align="center">-</td>
<td align="center">Fv9</td>
<td align="center">-</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Ehem&#x00E4;nner</td>
<td align="center">M16</td>
<td align="center">-</td>
<td align="center">FvM15</td>
<td align="center">M10</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table-wrap-foot>
<fn><p><italic>Source</italic>: Kessler, M., <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>, &#x201A;Missionarinnen in heterosexuell erotisierten Beziehungsgeflechten. Eine theologisch-soziologische Untersuchung in deutschen evangelikalen Missionsgesellschaften&#x2018;, DTh Dissertation. University of South Africa. Pretoria, s. 207, aufgesucht am 09. Juni 2015, von <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?sequence=1&#x0026;isAllowed=y">http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?sequence=1&#x0026;isAllowed=y</ext-link></p></fn>
</table-wrap-foot>
</table-wrap>
<p>Eine besondere Stellung nahm Erotisierung ohne Erotik ein. Dann wurden Personen oder Situationen von dritten erotisiert, obwohl keine tats&#x00E4;chliche Erotisierung oder Erotik vorlag. Manchmal galten alle Mann-Frau-Beziehungen generell als erotisiert (Fs4, M10). Konkrete Ursachen waren der kulturelle Hintergrund der Kollegen (FvM15), Priorit&#x00E4;tenverschiebungen des Missionars von der Ehefrau hin zur Singlemissionarin (Fv9, M16) oder grundlose Eifersucht (Fs1, M3, Fs4, Fs7, Fs8, Fv9, Fv16, Fs18, M20). Auffallend war, dass Ehefrauen dazu neigten Singles zu erotisieren obwohl keine Erotik vorlag.</p>
</sec>
<sec id="s30018">
<title>Erotisierung, Familienstand und Lebensumst&#x00E4;nde</title>
<p>Singlesein wurde in auffallend vielen Interviews thematisiert, egal zu welchem Familienstand die Probanden selbst geh&#x00F6;rten (siehe Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>:208&#x2013;214). Singles erlebten aus verschiedenen Gr&#x00FC;nden Erotisierungen durch Ehefrauen (M2, FvM5, Fv9, Fv11, Fs16, Fs21).</p>
<p>Ebenso erotisierten Ehem&#x00E4;nner Singles (M2, Fs4, M3, FvM5, Fs7, Fs8, Fv9, Fv11, Fs12, M16 Fs17, Fs18, Fv21). Das Alter von circa 40 Jahren galt als problematische Altersphase, weil Singles dann noch einmal besonders auf der Suche nach einer Partnerschaft seinen, um eine &#x201A;letzte Chance&#x2018; zu nutzen (M3, M5, FvM5, Fs12). Manchmal lagen die Gr&#x00FC;nde f&#x00FC;r Erotisierungen in der Missionarsehe. Zu Erotisierungen f&#x00FC;hrten:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Schwierige Ehephasen (FvM5, M16, Fv21).</p></list-item>
<list-item><p>Schwierige Sexualit&#x00E4;t (Fv9, FvM16, Fv21).</p></list-item>
<list-item><p>Unverst&#x00E4;ndnis f&#x00FC;r die Bed&#x00FC;rfnisse des anderen (Fv11, Fv13).</p></list-item>
<list-item><p>Unterschiedliche Aufgaben:
<list list-type="simple">
<list-item><label>&#x25AA;</label><p>Getrennte Weiterentwicklung, fehlende Zeit f&#x00FC;reinander (M3, Fv9, Fv13 M16, Fv21).</p></list-item>
<list-item><label>&#x25AA;</label><p>Bedrohung durch Singles, weil diese h&#x00E4;ufig vorwiegend zum Mann Kontakt hatten (Fv5, Fs7, Fs8, Fv9, M16, Fs18, Fv21).</p></list-item>
</list></p></list-item>
<list-item><p>Herausforderung durch Kinder Fv5, Fs7, Fs8, Fv9, Fv11, M15, Fs18, Fs19, Fv21.</p></list-item>
</list>
<p>Manchmal erotisierten Leiter Singles auf dem Missionsfeld (M5, Fv9, M10, Fv11, Fs14, FvM15, Fs19) oder die Singlemissionarin f&#x00FC;hlte sich durch die Beziehung aufgewertet:</p>
<disp-quote>
<p>Dass sich so jemand in einer so hohen Position f&#x00FC;r mich &#x2026; kleine Mitarbeiterin interessieren w&#x00FC;rde &#x2026; Wenn das jetzt irgendein anderer gewesen w&#x00E4;re, ich w&#x00E4;re vielleicht nicht ganz so interessiert gewesen (Fs12).</p>
</disp-quote>
<p>Aber auch die Singles erotisierten (Fs1, Fs4, Fs7, Fs8, M10, Fs12, Fs18, Fs19, M20). Gelegentlich deshalb, weil die Singles in &#x201A;den besten Jahren&#x2018; in der Auseinandersetzung mit ihrer Fruchtbarkeit standen (Fs19), aber auch, weil sie es genossen:</p>
<disp-quote>
<p>Einerseits habe ich das genossen &#x2026; weil ich mich ja begehrt f&#x00FC;hlte. Und dadurch sch&#x00F6;n und toll &#x2026; dein K&#x00F6;rper, deine ganze Art. Das ist begehrt. Wirklich begehrt. Wer verliebt ist, kommt zum Leben (Fs12).</p>
</disp-quote>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec id="s0019">
<title>Konsequenzen f&#x00FC;r die Missiologie</title>
<p>Missiologie muss das volle Menschsein und die Authentizit&#x00E4;t von Missionar/-innen f&#x00F6;rdern. Das sollte sich auch auf den Bereich der Erotisierung erstrecken. Da das Leben als Christ/-in den Umgang mit Erotisierung, sexueller Versuchung und Versuchlichkeit beinhaltet, bleibt es eine permanente Reise und auch ein Ziel sich zu einer &#x201A;<italic>ordinary human person</italic>&#x2018; (Saayman <xref ref-type="bibr" rid="CIT0027">2007</xref>:138) zu entwickeln. Die Realit&#x00E4;t der Inkarnation Christi zwingt dazu genauso missionarisch wie menschlich zu sein. Eine Auseinandersetzung mit menschlicher Erotisierung, Erotisierungsanf&#x00E4;lligkeit und Versuchlichkeit und deren hilfreicher Gestaltung zu einer gesunden Weiterentwicklung der Missionar/-innen kann dazu verhelfen und die Authentizit&#x00E4;t und Vertrauensw&#x00FC;rdigkeit von Missionar/-innen erh&#x00F6;hen. Gut w&#x00E4;re es, wenn das Bewusstsein Botschafter/-in Christi zu sein, sich auch in diesen Aspekten des Lebens voll entfalten k&#x00F6;nnte. Dabei k&#x00F6;nnte eine Auseinandersetzung mit sexueller Versuchung und Versuchlichkeit im Alten Testament (siehe Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>:79&#x2013;104) hilfreich sein um theologisch eine h&#x00F6;here Realit&#x00E4;tsn&#x00E4;he zu gewinnen. Die Missionar/-innen werden dann integer wahrgenommen, wenn es ihnen gelingt, sich zu reflektieren und auch zuzugeben, dass sie bei einer Sache oder in einem Lebensbereich in der Entwicklung sind (nach Kritzinger <xref ref-type="bibr" rid="CIT0018">2005</xref>:6&#x2013;9).</p>
<p>Die Missionswerke und -organisationen haben die Aufgabe die Dienstf&#x00E4;higkeit von Missionar/-innen vorzubereiten, zu f&#x00F6;rdern und zu erhalten. Dazu sollte in der Missiologie der Umgang mit der Geschlechtlichkeit und deren Auswirkungen in Missionsorganisationen reflektiert und nicht ignoriert werden. Ebenso w&#x00E4;re es hilfreich, wenn m&#x00F6;gliche Erotisierungen und Versuchlichkeit in der Vorbereitung bei Missionskandidat/-innen bereits aufgegriffen w&#x00FC;rden, um Angstbesetztheit zu vermindern und Tabuisierung abzubauen. Missionar/-innen sollten wissen, dass sie sich jederzeit an ihre Missionsorganisationen wenden k&#x00F6;nnen und das ihnen von dort qualifiziert Hilfe zu Teil wird. Dazu w&#x00E4;re es notwendig, dass sich Missiolog/-innen und die Leiter/-innen von Missionsorganisationen st&#x00E4;rker mit der M&#x00F6;glichkeit von Erotisierungen, Versuchung und Versuchlichkeit theologisch und lebensnah auseinander zu setzen.</p>
</sec>
</body>
<back>
<ack>
<title>Best&#x00E4;tigungen</title>
<sec id="s20020">
<title>Konkurrierende Interessen</title>
<p>Die Verfasserinnen erkl&#x00E4;ren hiermit, dass sie keinerlei finanzielle oder pers&#x00F6;nliche Bindungen haben, die sie beim Schreiben dieses Artikels beeinflussten.</p>
</sec>
<sec id="s20021">
<title>Beitr&#x00E4;ge der Autoren</title>
<p>Dieser Artikel ist ein Auszug der Doktorarbeit von M.K. unter der Co-Supervision von C.L.</p>
</sec>
</ack>
<ref-list id="references">
<title>Literaturliste</title>
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<ref id="CIT0040"><mixed-citation publication-type="other"><person-group person-group-type="author"><collab>Wiktionary</collab></person-group>, <year>2013</year>, <article-title>sv &#x201A;Beziehungen</article-title>&#x2018;, <comment>aufgesucht am 21. Juni 2013, von <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://de.wiktionary.org/wiki/Beziehung">http://de.wiktionary.org/wiki/Beziehung</ext-link></comment></mixed-citation></ref>
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<fn-group>
<fn><p><bold>How to cite this article:</bold> Kessler, M. &#x0026; Landman, C., 2016, &#x2018;Heterosexuell erotisierte Beziehungsgeflechte in der Mission&#x2019;, <italic>Verbum et Ecclesia</italic> 37(1), a1618. <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://dx.doi.org/10.4102/ve.v37i1.1618">http://dx.doi.org/10.4102/ve.v37i1.1618</ext-link></p></fn>
<fn><p><bold>Note:</bold> This article is partially based on the author&#x2019;s thesis of the degree of Doctor of Theology in Missiology at the University of South Africa, South Africa, with supervisor Prof. Willem Saayman and co-supervisor Prof. Christina Landmann, received February 2014, available here: <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?isAllowed=y&#x0026;sequence=1">http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/15383/thesis-kessler_m.pdf?isAllowed=y&#x0026;sequence=1</ext-link></p></fn>
<fn id="FN0001"><label>1</label><p>Dieser Artikel pr&#x00E4;sentiert die Teilergebnisse der Doktorarbeit &#x201A;Missionarinnen in heterosexuell erotisierten Beziehungsgeflechten. Eine theologisch-soziologische Untersuchung in deutschen, evangelikalen Missionsgesellschaften&#x2018; (Kessler <xref ref-type="bibr" rid="CIT0017">2014</xref>). Die Supervisoren waren Prof Willem Saayman und Prof Christina Landman. Besondere W&#x00FC;rdigung erh&#x00E4;lt Prof Saayman, der im Mai 2015 pl&#x00F6;tzlich verstarb. Ihm war das Thema dieser Doktorarbeit ein gro&#x00DF;es Anliegen. Er hat mich mit viel Engagement gef&#x00F6;rdert.</p></fn>
<fn id="FN0002"><label>2</label><p>Damit die Befragten m&#x00F6;glichst viel Freiraum haben, werden die Proband/-innen aufgefordert, frei zu erz&#x00E4;hlen und die Inhalte im Gespr&#x00E4;ch zu entwickeln (Hopf <xref ref-type="bibr" rid="CIT0012">2004</xref>:355). Dabei werden sie m&#x00F6;glichst wenig gelenkt. Obwohl passiv-narrative Interviews ohne detaillierte Leitf&#x00E4;den gef&#x00FC;hrt werden, sind Ausgangfragen formuliert. F&#x00FC;r die Interviews der DTh:
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Was f&#x00FC;r Erotisierungen haben Sie/hast du in Ihre/deiner aktiven Missionar/-innenzeit erlebt?</p></list-item>
<list-item><p>Welche Folgen hatte die Erotisierung f&#x00FC;r die Mission?</p></list-item>
<list-item><p>Was w&#x00E4;re in der Situation hilfreich gewesen?</p></list-item>
</list></p>
</fn>
<fn id="FN0003"><label>3</label><p>In diesem Artikel wird weitgehend das im Deutschen eher neue Wort <italic>Singles</italic> benutzt, um Menschen zu beschreiben, die jenseits einer Paarbeziehung leben (Kaufmann 2006:306). Der Begriff <italic>ledig</italic> ist nicht eindeutig, weil auch ledig ist, wer nicht verheiratet ist und in einer Beziehung, im Sinne eines unverheirateten Zusammenlebens lebt (S. 304-305). Allerdings werden die Begriffe <italic>ledig</italic> und <italic>Single</italic> im christlichen Kontext h&#x00E4;ufig synonym benutzt, weil man davon ausgeht, dass ledige Menschen als Singles leben. M&#x00F6;glich w&#x00E4;re auch die Bezeichnung <italic>alleinstehende Frauen</italic>. Da dies jedoch negativ besetzt ist, weil dabei Einsamkeit und m&#x00F6;glicherweise ein Hinweis auf ein schwaches soziales Beziehungsnetz mitschwingt (S. 305), wird in diesem Artikel darauf verzichtet.</p></fn>
<fn id="FN0004"><label>4</label><p>Im Folgenden sind mit &#x201A;Ehefrauen&#x2018; immer verheiratete Missionarinnen, mit &#x201A;Ehemann&#x2018; immer verheiratete Missionare und mit &#x201A;Singles&#x2018; immer weibliche Singles gemeint. Zwei Singlemissionare, die zum Interview bereit gewesen w&#x00E4;ren wurden nicht interviewt, da sich ihre heterosexuellen Erotisierungserlebnisse auf Singlefrauen bezogen.</p></fn>
<fn id="FN0005"><label>5</label><p>Alles ist anders und neu. Das f&#x00FC;hrt zu Stress (siehe auch Wagner <xref ref-type="bibr" rid="CIT0038">2004</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0006"><label>6</label><p>Zwischenmenschliche Probleme werden als geistliche Probleme betrachtet und dann eher indirekt (z.B. mittels einer Bibelarbeit) angesprochen.</p></fn>
<fn id="FN0007"><label>7</label><p>In deutschen theologischen W&#x00F6;rterb&#x00FC;chern werden die Worte &#x201A;Erotik&#x2018; und &#x201A;erotisch&#x2018; nicht aufgegriffen.</p></fn>
<fn id="FN0008"><label>8</label><p>Das Wort erotisch wurde im 18. Jahrhundert aus dem Franz&#x00F6;sischen <italic>&#x00E9;rotique</italic> ins Deutsche &#x00FC;bernommen.</p></fn>
<fn id="FN0009"><label>9</label><p>Wenn auch Buber nicht speziell von M&#x00E4;nnern und Frauen, sondern von Menschen im Allgemeinen schreibt, so meine ich dennoch, dass seine Ausf&#x00FC;hrungen dem&#x201A; Erkennen&#x2018;, wie man es sich vorstellen und erst im Vollzug wissen kann, nahekommen.</p></fn>
<fn id="FN0010"><label>10</label><p>Beziehungen beinhalten Verbindungen, soziale Beziehungen, Lebensgemeinschaft, Verh&#x00E4;ltnis, Freundschaft, Partnerschaft, Liebesbeziehung, Kontakt anbahnen oder herstellen, Gemeinschaft, Vetternwirtschaft oder auch allgemein Verbindungen (M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0024">1997</xref>:130; Wiktionary <xref ref-type="bibr" rid="CIT0040">2013</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0011"><label>11</label><p>Mittelhochdeutsch: vlehte = Flechtwerk, Geflochtenes.</p></fn>
<fn id="FN0012"><label>12</label><p>Die Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) ist seit 1974 ein eingetragener Verein und ein &#x201A;Zusammenschluss von &#x00FC;ber 90 Missionsgesellschaften und Ausbildungsst&#x00E4;tten aus dem Bereich der evangelischen Landeskirchen, Landeskirchlichen Gemeinschaften und Freikirchen. Sie betreut zurzeit weltweit &#x00FC;ber 3.500 Mitarbeiter und arbeitet auf der Glaubensgrundlage der Deutschen Evangelischen Allianz&#x2018; (Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen <xref ref-type="bibr" rid="CIT0001">2012</xref>).</p></fn>
<fn id="FN0013"><label>13</label><p>Bei der Befragung wurden solche Missionsgesellschaften ausgeschlossen, die vorwiegend in Deutschland t&#x00E4;tig sind und Ausbildungsst&#x00E4;tten, die eher allgemein theologische Weiterbildung anbieten. Manche Missionsgesellschaften unterst&#x00FC;tzen vor allem Einheimische. Dar&#x00FC;ber hinaus wurden folgende missionsaktive Organisationen angeschrieben: Arbeitskreis f&#x00FC;r evangelikale Missiologie (AfeM), <italic>Akademie f&#x00FC;r Weltmission</italic> (AWM), Stuttgart, deutscher Zweig von <italic>Member care,</italic> psychiatrische Fachklinik <italic>Hohe Mark des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes GmbH Marburg</italic>, Oberursel, De&#x00B4;ignis-Fachklinik, <italic>Deutsches Institut f&#x00FC;r Jugend und Gesellschaft</italic> (DIJG), <italic>Neue Hoffnung</italic>, Marburg, <italic>Tumaini Counselling Centre</italic>, Nairobi, <italic>Weisses Kreuz</italic>, Kassel, Seelsorgeabteilung von <italic>Wycliff Deutschland</italic>, Burbach-Holzhausen.</p></fn>
<fn id="FN0014"><label>14</label><p>So der Oberarzt Dr. Andreas Richter der <italic>Klinik Hohe Mark</italic>, Oberursel bei einem Telefoninterview <xref ref-type="bibr" rid="CIT0028">2011</xref>.</p></fn>
<fn id="FN0015"><label>15</label><p>Sexuelle Reinheit wird folgenderma&#x00DF;en definiert: Verheiratete haben ausschlie&#x00DF;lich sexuellen Kontakt mit dem/der Ehepartner/in, Singles verzichten auf partnerschaftliche Sexualit&#x00E4;t.</p></fn>
<fn id="FN0016"><label>16</label><p>Die Zeitschrift erscheint viertelj&#x00E4;hrlich mit einer Auflage von 1000 St&#x00FC;ck. Mitglieder der AfeM erhalten <italic>em</italic> automatisch, dar&#x00FC;ber hinaus kann sie abonniert werden.</p></fn>
<fn id="FN0017"><label>17</label><p>Meine Erfahrung war, dass Worte mit dem Wortstamm &#x201A;Erotik&#x2018; leicht Phantasien ausl&#x00F6;sen. Sehr schnell wurde &#x00FC;ber den Umgang mit Pornographie, sexuelle Grenz&#x00FC;berschreitung oder Ausschweifungen, Inzest, Homosexualit&#x00E4;t unter anderem nachgedacht.</p></fn>
<fn id="FN0018"><label>18</label><p>M&#x00FC;ndlich von Interviewpartnerin Fs1, bei einem Telefonat zur Freigabe des Interviews am 22.03.13.</p></fn>
<fn id="FN0019"><label>19</label><p>Die Interviews wurden folgenderma&#x00DF;en anonymisiert: Geschlecht (F = Frau, M = Mann, FvM =Eheleute), bei Frauen der jeweilige Familienstand (s = Single oder v = verheiratet) und mit einer fortlaufenden Nummerierung (Fs1 bis Fv21).</p></fn>
<fn id="FN0020"><label>20</label><p>Informiert wurde dar&#x00FC;ber, dass in der Forschungsarbeit eine Facette der Beziehungsdynamik zwischen m&#x00E4;nnlichen und weiblichen, Single und Verheirateten untersucht wird.</p></fn>
<fn id="FN0021"><label>21</label><p>Bei der &#x201A;Flip-Flop-Technik&#x2018;&#x201C; wird das deskriptive Denkkonzept durchbrochen in dem man sich das Gegenteil des aktuellen Ergebnisses vorstellt. So gelangt man zu neuen Denkans&#x00E4;tzen und folglich zu weiteren Erkenntnissen.</p></fn>
<fn id="FN0022"><label>22</label><p>Es kamen noch &#x201A;weitere unerw&#x00FC;nschte Erotisierungen&#x2018; hinzu. Die Missionar/-innen erz&#x00E4;hlten von Erotisierungen die nicht im Fokus der Forschungsarbeit lagen (z.B. erotische Beziehungen von Einheimischen untereinander in Fs4, FvM5, M10, Fs19).</p></fn>
<fn id="FN0023"><label>23</label><p>Eine Person ist intrinsisch motiviert, wenn sie von innen heraus, aus eigenem Antrieb, durch Interesse an etwas, dem in der Sache oder in einem Menschen liegenden Anreiz folgt (Duden <xref ref-type="bibr" rid="CIT0008">1994</xref>:655). Im Gegensatz dazu meint &#x201A;extrinsisch&#x2018; einer Anregung, einem Antrieb von au&#x00DF;en zu folgen (Duden <xref ref-type="bibr" rid="CIT0008">1994</xref>:447).</p></fn>
<fn id="FN0024"><label>24</label><p>Frauen verstehen unter &#x201A;Fremdgehen&#x2018;, wenn sie ein inniges, platonisches Verh&#x00E4;ltnis zu einem anderen Mann aufgebaut haben (Runte <xref ref-type="bibr" rid="CIT0029">2002</xref>:82&#x2013;83).</p></fn>
<fn id="FN0025"><label>25</label><p>Bei FvM15 reagierte vor allem ein amerikanischer Missionarskollege.</p></fn>
<fn id="FN0026"><label>26</label><p>Zum Beispiel durch eine hohe Belastung durch die Beschulung der Kinder, k&#x00F6;rperliche Schw&#x00E4;che durch eine starke Gewichtsabnahme aufgrund der klimatischen Bedingungen oder eine enge Zusammenarbeit zwischen Ehemann und Single.</p></fn>
<fn id="FN0027"><label>27</label><p>Manche Singles sch&#x00FC;tzen sich vor sexuellen &#x00DC;bergriffen oder Erotisierungen damit, dass sie behaupten, sie h&#x00E4;tten Ehem&#x00E4;nner und Kinder, die jenseits der Grenzen wohnten. Allerdings m&#x00FC;ssen sie dann erstens damit zurechtkommen, die Unwahrheit gesagt zu haben und zweitens spielen sie Erotik vor, die sie nicht leben (M&#x00FC;ller <xref ref-type="bibr" rid="CIT0019">2013</xref>:138). Sie sch&#x00FC;tzen sich vor sexuellen oder erotisierenden &#x00DC;bergriffen, indem sie so taten, als w&#x00FC;rden sie in einer sexuellen und erotischen Beziehung leben. Das befreit nicht wirklich.</p></fn>
<fn id="FN0028"><label>28</label><p>Passive Erotisierung fanden vor allem im Kopf des/der Missionars/-in oder subtil statt. Dann wurden Verhaltensweisen mit Erotik verbunden, die man auch anders interpretieren k&#x00F6;nnte.</p></fn>
<fn id="FN0029"><label>29</label><p>Aktive Erotisierung beschreibt aktiv-erotisierendes Eingreifen durch Kolleg/-innen.</p></fn>
<fn id="FN0030"><label>30</label><p>Wenn zwei Objekte in gleicher Weise ausgerichtet werden sollen, spricht man von <italic>eingenorden.</italic></p></fn>
</fn-group>
</back>
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